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Der Warburg Effekt
Bereits 1924 konnte Otto Warburg zeigen, daß Tumorzellen einen gestörten Zuckerstoffwechsel haben. Sie nehmen 20-30x mehr Glucose auf als gesunde Zellen. Die Krebszellen verstoffwechseln die Glucose jedoch auch unter aeroben Bedingungen anaerob und es entstehen große Mengen an Laktat. Diese Besonderheit des Stoffwechsels von Tumorzellen spielt heute schon eine große Rolle in der klinischen Diagnostik maligner Tumore und ist Grundlage der Positronen-Emissionstomograhie (PET).
Bis heute konnte jedoch der sog. „Warburg-Effekt“ in seiner biologischen Bedeutung nicht zufriedenstellend eingeordnet werden.

Biochemische Grundlagen
Man nahm bisher an, daß die Laktatproduktion in den Tumorzellen wie in den gesunden Zellen über den Embden-Meyerhof-Weg verläuft. Durch die Entdeckung des Enzyms Transketolase-like 1 (TKTL1) wurde jedoch deutlich, daß es speziell in Zellen aggressiver Tumoren einen zweiten Abbauweg der Glucose zu Milchsäure gibt. Tumore vergären Glucose zu Milchsäure, während gesunde Zellen Glucose in den Mitochondrien vollständig verbrennen.
Die TKTL1 entzieht dem Embden-Meyerhof-Weg verschiedene Zwischenprodukte und führt sie dem für die Tumorzelle viel wichtigeren Pentosphosphatzyklus (PPP) zu. Dieser Stoffwechselweg dient u.a. der Bereitstellung von Reduktionsäquivalenten in Form von NADPH und Ribose-5-Phosphat und ist damit für die stark gesteigerte RNA und DNA Synthese der rasch proliferierenden Tumorzellen essentiell. Der nicht-oxidative Teil des PPP wird durch die TKTL1 reguliert.

TKTL1 in malignen Tumoren
Nach aktuellen Untersuchungen ist die TKTL1 in einer ganzen Reihe bisher getesteter maligner Tumore wie zum Beispiel Melanomen, Glioblastomen, Mammakarzinomen, Dickdarmkarzinomen, Harnblasentumoren überexprimiert. Dies deutet darauf hin, dass der TKTL1 eine Schlüsselrolle im Glucosestoffwechsel dieser Tumoren zukommt und dass die TKTL1 Überexpression kein Tumortyp-spezifisches Phänomen darstellt, sondern ein wichtiges Charakteristikum aggressiver Tumorzellen ist.
Dem entsprechend wurde in 3 retrospektiven Studien bei Patienten mit einem Kolonkarzinom, bei Patienten mit einem Harnblasenkarzinom und bei Patientinnen mit einem Ovarialkarzinom gezeigt, dass die Anzahl der durch Immunhistochemie nachweisbaren TKTL1-positiven Tumorzellen eng mit der Überlebensdauer der Patienten korreliert: das heißt je höher die Anzahl der TKTL1 positiven Tumorzellen war desto kürzer war die Überlebenszeit der Patienten.

Therapeutische Konsequenzen
TKTL1-positive Tumorzellen sind abhängig von einer ausreichenden Glucoseversorgung. Sie können Fette und teilweise auch Proteine (andere Energiequellen des Zellstoffwechsels) schlecht oder nicht mehr verwerten und stoppen oder reduzieren drastisch das Wachstum, sobald die Glucosezufuhr unterbrochen wird.
Die Stoffwechselsituation dieser aggressiven Tumorzellen kann man therapeutisch nutzen, indem man die Glucosezufuhr einschränkt. Dies ist möglich mit Hilfe einer speziellen „ketogenen“ Diät (www.tavarlin.de | Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention e.V  - FET e.V.).
Es handelt sich dabei um eine glucose- und kohlenhydratarme, sowie öl- bzw. fett- und proteinreiche Ernährung mit deren Hilfe den Tumorzellen der Brennstoff Zucker (Glucose) entzogen wird.
Basis dieses therapeutischen Ansatzes ist die neben der Verwendung von hochwertigen pflanzlichen Ölen und Ölextrakten mit nachgewiesener tumorhemmender Wirkung die Vermeidung von Insulinspritzen nach Nahrungsaufnahme, da gezeigt werden konnte, dass der enorme Glucosebedarf aggressiver Tumorzellen nur durch eine verstärkte insulinunabhängige Glucoseaufnahme gedeckt werden kann. - Man hungert die Tumorzellen sozusagen aus. -

Diagnostisches Vorgehen
Mit Hilfe immunhistochemischer Untersuchungen können wir an Gewebeschnitten maligner Tumore die Anzahl TKTL1-positiver Tumorzellen bestimmen und somit den Glucosestoffwechsels eines bestimmten Tumors charakterisieren. Hierzu übersenden Sie uns in Formalin-fixiertes und in Paraffin eingebettetes Tumorgewebe, einen Pathologiebefund mit der Tumordiagnose und dem Datum der Tumorentnahme sowie einen unterschriebenen Untersuchungsauftrag. Näheres zum praktischen Vorgehen erfahren Sie im „Leitfaden für die Untersuchung von Tumorgewebe auf TKTL1-Expression“.

 

Für weitere Fragen zur TKTL1, zum persönlichen TKTL1-Befund und zur TKTL1-Ernährungstherapie steht Ihnen Frau Dr. Beate Wegener (Tel.: 09001-666801 oder beratung@tavarlin.de zur Verfügung.

Literatur
Warburg O, Posener K, Negelein E: Über den Stoffwechsel der Carcinomzelle. Biochem Z 1924; 152:309-344

Krockenberger M, Honig A, Rieger L, Coy J, Sütterlin M, Kapp M, Horn E, Dietl J, Kammerer U: Transketolase-like 1(TKTL1) expression correlates with subtypes of ovarian cancer and the presence of distant metastases.

Langbein S, Zerilli M, zur Hausen A, Staiger W, Rensch-Boschert K, Lukan N, Popa J, Ternullo MP, Steidler A, Weiss C, Grobholz R, Willeke F, Alken P, Stassi G, Schubert P, Coy JF: Expression of transketolase TKTL I predicts colon and urothelial cancer patient survival: Warburg effect reinterpreted. Br J Cancer 2006; 94:578-585

Coy JF, Dressler D, Wilde J, Schubert P: Mutations in the Transketolase-like Gene TKTL1: Clinical implications for neurodegenerative diseases, diabetes and cancer. Clin Lab 2005; 51:257-273

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